Die CSU und der Islam

20.03.2019

Islam mit Burka gleichzusetzen oder Islam mit Islamismus und allen ihren Ausprägungen gleichzusetzen, wie das hier einige Kommentatoren tun, zeugt entweder von einer postfaktischen Naivität oder von einer unchristlichen Boshaftigkeit und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Ja, um es auch für die nicht so hellen Kerzen auf der Torte klar zum Ausdruck zu bringen: Burka kann man sicherlich konsensfähig als nicht zu Deutschland passend bezeichnen. Da würden einem auch sicherlich 99% der in Deutschland lebenden Muslime zustimmen. Und um einmal eine Schätzzahl zu nennen: unter den mehr als 4 Millionen in Deutschland lebenden Muslime (von denen sich u.a. aufgrund solcher Hetze übrigens viele im Kollegenkreis schon gar nicht mehr als Muslime trauen, sich erkennen zu geben) tragen schätzungsweise deutschlandweit deutlich weniger als 0,01 % eine Burka.

Also was soll dieses Bild einer Burka außer, das Zerrbild einer sich in die Ablehnung einer Bevölkerungsgruppe hineinsteigernder Mehrheitsgesellschaft über “den Islam” und “die Muslime” zu befördern. Um es einmal an anderen Beispielen zu verdeutlichen:

Eine Burka stellvertretend für Islam zu nehmen ist so, als wenn man das Bild eines schwulen Besuchers des CSD mit arschfreier Hose und Feder-Boa und am besten noch einem AIDS-Tatoo auf dem Po als Beispielbild zum Thema Homosexualität nimmt… Oder das Bild eines lüstern drein schauenden als katholischer Priester verkleideten Mannes mit Kind auf dem Schoß als Sinnbild für die Katholische Kirche… Oder wenn in England Neonazis mit SS-Tatoo am Kopf als Sinnbild für Deutsche genommen werden.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, wie man gegen Bevölkerungsgruppen Stimmung machen kann, indem man Zerrbilder und Negativbeispiele nimmt, die 0,01% der herabzusetzenden Bevölkerungsgruppe repräsentieren.

Vermutlich finden sich in den 1930er-Jahren auch noch einige Anregungen, wie das damals mit der Darstellung von Juden als geldgierige Banker u.ä. gelungen ist.

Es ist schockierend, dass manche so wenig aus unserer Geschichte gelernt zu haben scheinen.